Meister Eckhart im Tanz

Meister Eckhart in Erfurt

(Erfurt, tv.art_onlinejournal / Maximilian Gutberlet).

Die Idee zum Projekt kam mir bereits während der Vorbereitungen zu den letzten Erfurter Meister-Eckhart-Tagen im Jahr 2016. Mein Beitrag zum Programm bestand damals aus einem Zusammenspiel vieler kleinerer Projekte – einem Science Slam, einem Poetry Slam, etwas Jugendtheater, Graffiti und Rap; alles rund um Eckhart und vorwiegend mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Schon damals wollte ich unbedingt Menschen mit Scans von mittelalterlichen Eckhart-Handschriften mithilfe von Beamern an projizieren, am besten Tänzer. Nicht unbedingt die naheliegendste Idee, aber ich fand die Vorstellung faszinierend, sich wortwörtlich und nicht nur im übertragenen Sinn durch einen Text zu bewegen. Als ich dann wieder einmal an der Ruine des Barfüßerklosters vorbeilief, stand ganz plötzlich glasklar ein Bild vor meinem inneren Auge, wie das in dieser wundervollen Kulisse aussehen würde. Es war klar, dass es damals den Rahmen gesprengt hätte, aber das Bild ließ mich nicht los, und als ich einige Zeit später zufällig mit Katja Hesse vom Tanztheater Erfurt ins Gespräch kam, sprang sofort der Funke über. Ich bin immer noch völlig begeistert, wie offen das Tanztheater von Anfang an war und dass wir so schnell das Projekt aus dem Boden gestampft haben! Die Stadt Erfurt kam uns auch sehr entgegen und hat uns die Ruine zur Verfügung gestellt. Die evangelische Stadtakademie Erfurt und die Predigergemeinde, bei denen ich Projektmitarbeiter bin, tragen das Projekt maßgeblich mit, und der Predigerkeller unterstützt uns tatkräftig mit Licht- und Tontechnik. An der Zahl der Beteiligten kann man schon ein wenig den Umfang unseres Vorhabens erahnen, und das sind noch nicht einmal alle. So sind Katja und ich nun schon seit einigen Monaten damit beschäftigt, die Fäden zusammenzuführen und zusammenzuhalten, mit allen Beteiligten zu kommunizieren, die benötigte Technik zu mieten, Fördermittel zu beantragen, Genehmigungen einzuholen, Werbung zu machen etc. Die manchmal nervenzehrenden organisatorischen Aufgaben werden aber mehr als aufgewogen, wenn es an die kreative Arbeit geht. Den jugendlichen TänzerInnen habe ich zum Projektbeginn Eckharts Kloster, das Erfurter Predigerkloster, gezeigt und wir haben uns mit seinen Gedanken beschäftigt. Sofort entstanden Ideen für deren Übersetzung in Bewegungsformen, was beim Umgang mit so anspruchsvollen und jahrhundertealten Texten wirklich etwas heißen will! Diese Verbindung von abstraktem Denken und konkreten Bewegungen fasziniert mich, und es ist eine große Freude, mitzuerleben, wie Stück für Stück eine wunderschöne Choreografie entsteht; wie Musik, Tanz und Philosophie ineinander fließen – und wie sich in dieses Gesamtkunstwerk auch die Projektionen der alten Handschriften einfügen!

Gastbeitrag: Maximilian Gutberlet, Koordination Projektgruppe „Meister Eckhart für Kinder und Jugendliche“

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